Integrierte Leitstelle Biberach

Wenn jede Sekunde zählt

Die Integrierte Leitstelle (ILS) Biberach ist die zentrale Anlaufstelle für Notfälle im gesamten Landkreis. Hier laufen alle Notrufe ein, die über die europaweite Notrufnummer 112 eingehen. Die Disponentinnen und Disponenten nehmen die Anrufe entgegen, schätzen die Lage ein und alarmieren die passenden Einsatzkräfte. Sie koordinieren sowohl die Feuerwehr als auch den Rettungsdienst – rund um die Uhr, an jedem Tag des Jahres.

Jährlich bearbeitet die ILS Biberach rund 150.000 Anrufe. Darüber hinaus sind etwa 500 Brandmeldeanlagen direkt mit der Leitstelle verbunden. Zum Team gehören 24 Disponenten, von denen in der Regel zwei bis drei pro Schicht gleichzeitig im Dienst sind.

Verantwortung, die Leben retten kann

Die Arbeit in der Leitstelle erfordert höchste Konzentration, schnelle Entscheidungen und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Innerhalb kürzester Zeit müssen die Disponenten wichtige Informationen erfassen, die Situation richtig einschätzen und die notwendigen Maßnahmen einleiten.

Ist ein Notarzt erforderlich? Welche Einsatzkräfte erreichen den Einsatzort am schnellsten? Wie viele Feuerwehrleute werden benötigt? Und müssen weitere Einheiten oder Spezialisten nachalarmiert werden?

Jede Entscheidung kann entscheidend sein. Deshalb müssen die Abläufe auch unter großem Zeitdruck zuverlässig funktionieren.

Ein starkes Netzwerk für jede Notlage

Die ILS Biberach koordiniert ein breites Netzwerk an Einsatzkräften und Hilfsorganisationen. Im Bereich der Feuerwehr gehören dazu sieben größere Stützpunktfeuerwehren, 121 Ortsfeuerwehren und fünf Werkfeuerwehren.

Auch der Rettungsdienst bietet weit mehr als die klassische Versorgung durch Rettungswagen und Notarzt. Je nach Lage alarmiert die Leitstelle Rettungshubschrauber, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer vor Ort sowie Krankentransport- und Intensivtransportfahrzeuge. Bei besonderen Einsätzen können außerdem Rettungshundestaffeln, Rettungstaucher, leitende Notärzte und Organisatorische Leiter Rettungsdienst (OrgL) hinzugezogen werden.

Darüber hinaus alarmiert die ILS das Technische Hilfswerk (THW), Einheiten des Katastrophenschutzes und die Notfallseelsorge. So werden die jeweils benötigten Kräfte gezielt zusammengeführt – vom einzelnen medizinischen Notfall bis zur komplexen Einsatzlage.

Leistungsfähig auch bei Großschadenslagen

Wenn viele Notrufe gleichzeitig eingehen, muss die Leitstelle ihre Kapazitäten schnell erweitern können. Bei größeren Schadenslagen lassen sich deshalb zusätzliche Mitarbeitende aktivieren. Seit der jüngsten Modernisierung stehen bis zu zehn Arbeitsplätze zur Verfügung, an denen gleichzeitig telefoniert und die Einsatzkoordination unterstützt werden kann.

Wie wichtig diese Flexibilität ist, zeigte sich beim schweren Zugunglück im Jahr 2025. Bei einem solchen Ereignis laufen innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Notrufe und Informationen in der Integrierten Leitstelle ein. Gleichzeitig müssen Rettungsdienst, Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte koordiniert und zusätzliche Ressourcen bedarfsgerecht alarmiert werden. Um diese außergewöhnliche Einsatzlage zu bewältigen, sind eine enge Abstimmung, klare Kommunikationswege und ausreichend personelle Kapazitäten entscheidend. Die Leitstelle muss dabei jederzeit den Überblick behalten und sicherstellen, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Mehr als Notruf und Einsatzalarmierung

Das Aufgabenspektrum der ILS Biberach geht über die klassische Notfallversorgung hinaus. Auch Krankentransporte werden hier organisiert. Wer einen solchen Transport benötigt, erreicht die zuständige Stelle unter der Rufnummer 07351/19222.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Hausnotruf des DRK-Kreisverbands mit rund 2.000 Teilnehmenden. Meldet sich eine ältere oder hilfsbedürftige Person nicht wie vereinbart oder löst sie aktiv ihren Hausnotruf aus, wird von der Leitstelle aus die notwendige Hilfe organisiert.

Auch beim Bevölkerungsschutz übernimmt die ILS eine wichtige Rolle: Sie versorgt den Warninformationsdienst NINA mit relevanten Informationen für die Region Biberach. Die kostenlose App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe informiert die Bevölkerung über Gefahren und Warnmeldungen – insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene.

Die Zahlen hinter der täglichen Arbeit

Wie vielfältig die Aufgaben der Leitstelle sind, zeigen die jährlichen Einsatzstatistiken. Aus rund 150.000 Anrufen ergeben sich zahlreiche unterschiedliche Maßnahmen:

  • 5.000 Notarzteinsätze pro Jahr
  • 25.000 Alarmierungen von Rettungswagen
  • 17.000 Krankentransporte, beispielsweise zwischen Kliniken, Arztpraxen und Wohnungen
  • 2.500 Feuerwehreinsätze
  • 1.000 Einsätze im Zusammenhang mit dem Hausnotruf

Hinter jeder Zahl steht eine konkrete Situation, in der Menschen Hilfe benötigen – und ein Team, das dafür sorgt, dass die richtigen Kräfte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Der Führungsstab des Landkreises: Gemeinsam handeln im Ernstfall

Bei besonders schweren Schadenslagen übernimmt der Führungsstab des Landkreises eine zentrale Rolle bei der Koordination und Bewältigung des Einsatzgeschehens. Hier arbeiten regionale Entscheidungsträger, Vertreter der Hilfsorganisationen sowie Fachleute und Verantwortliche des Landratsamts zusammen. Sie bündeln Informationen, bewerten die Lage und stimmen notwendige Maßnahmen ab, um die Einsatzkräfte bestmöglich zu unterstützen und die Bevölkerung zu schützen.

In der Integrierten Leitstelle Biberach steht für die Arbeit des Führungsstabs ein eigener Raum zur Verfügung. Die technische Ausstattung wird regelmäßig überprüft und einsatzbereit gehalten, damit im Ernstfall alle erforderlichen Arbeitsmittel zuverlässig funktionieren.

Insbesondere bei größeren Unwettern und komplexen Schadenslagen ist eine enge Abstimmung zwischen Leitstelle und Führungsstab entscheidend. Während die ILS Notrufe entgegennimmt, Einsatzkräfte alarmiert und deren Einsatz koordiniert, unterstützt der Führungsstab die übergeordnete Führung und Koordination bei größeren Schadensereignissen.

So greifen Leitstelle und Führungsstab ineinander: Die ILS sorgt für die schnelle Alarmierung und Koordination der Einsatzkräfte, der Führungsstab bündelt Informationen und stimmt übergreifende Maßnahmen ab. Gemeinsam schaffen sie die Voraussetzungen, um auch in außergewöhnlichen Situationen strukturiert, schnell und wirksam handeln zu können.

Seit wann gibt es die Integrierte Leitstelle (ILS) in Biberach?
So, wie sie heute aussieht und ausgestattet ist, erst seit Anfang 2019 – zuvor ist sie für 1,8 Millionen Euro umfassend modernisiert und mit neuer Technik ausgestattet worden, beispielsweise neue Server und Monitore, Kommunikations- und Einsatzleitsysteme, außerdem ist alles vorbereitet für Digitalfunk.

In den Räumen im Rot-Kreuz-Weg ist sie seit 1999 angesiedelt; sie wurde dem dort geschaffenen neuen DRK-Zentrum angegliedert. Zuvor war sie 15 Jahre lang im Altbau des Kreiskrankenhauses in der Riedlinger Straße. Gegründet wurde die Leitstelle 1975, ebenfalls in der Riedlinger Straße, einige Meter weiter stadteinwärts.

Besonders bemerkenswert: Schon 1976 wurde in Biberach eine integrierte Leitstelle geschaffen. In vielen anderen Kreisen und Regionen hat diese strukturelle Umstellung erst Jahrzehnte später stattgefunden – oder steht noch bevor.
Ist die Integrierte Leitstelle (ILS) in Biberach die einzige Leitstelle für den Landkreis?
Ja. Von hier aus werden die Einsätze der insgesamt acht Rettungswachen koordiniert, die es im Landkreis Biberach gibt. Sieben der acht Standorte sind in Trägerschaft des DRK-Kreisverbands Biberach: die Hauptwache (Biberach Nord) mit Behelfsrettungswache Ummendorf, Bad Schussenried, Erolzheim, Laupheim, Ochsenhausen und Riedlingen. Die achte Rettungswache liegt in Orsenhausen, sie wird durch den Arbeiter-Samariter-Bund betrieben.

Integrierte Leitstelle Biberach

Notruf 112 | Notruffax 112
Krankentransport 07351 19222

Allgemeine Anfragen
07351 5719-340