Gemeinschaftlich, selbstbestimmt und mitten im Ort: Seit 2017 steht die Wohngemeinschaft „Lebenswert“ in Burgrieden für ein zukunftsweisendes Wohnkonzept im Alter. Entstanden aus einer gemeinsamen Initiative des Vereins Lebensqualität Burgrieden e.V., der Bürgerstiftung Burgrieden und der Gemeinde Burgrieden, bietet die WG Seniorinnen und Senioren ein Zuhause, das Eigenständigkeit mit verlässlicher Unterstützung verbindet. Ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des Projekts war die Übernahme der Alltagsbegleitung durch den DRK-Kreisverband Biberach e. V., die nun seit einem Jahr besteht.
Anlässlich dieses Jubiläums und der Weihnachtszeit kamen Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende, Angehörige, Mitarbeitende des Pflegedienstes, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Vertreter der Gemeinde, der Bürgerstiftung und des Deutschen Roten Kreuzes zu einer stimmungsvollen Feier im barrierefreien Wohnkomplex „Allengerechtes Wohnen“ im Ortszentrum zusammen. Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag durch eine kleine Besetzung des Musikvereins Rot.
Die Wohngemeinschaft „Lebenswert“ beherbergt aktuell acht Seniorinnen und Senioren im Alter von über 80 Jahren. Sie leben in eigenen Zimmern mit Bad und Balkon und nutzen großzügige Gemeinschaftsräume für Mahlzeiten, Begegnung und Aktivitäten. Das Besondere am Konzept: Die Bewohnerinnen und Bewohner gestalten das gemeinsame Leben vor Ort gemeinschaftlich und selbstbestimmt. Pflegeleistungen werden – je nach individuellem Bedarf – über den ambulanten Pflegedienst Lerch aus Schwendi in Anspruch genommen, während die Alltagsbegleitung Unterstützung bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, Einkäufen und der Tagesgestaltung bietet. Die Vermietung der Wohnräume erfolgt über die Bürgerstiftung Burgrieden. Ziel dieser Zusammenarbeit der drei Anbieter ist es, Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und Sicherheit miteinander zu verbinden.
Zum 1. Oktober 2024 hat der DRK-Kreisverband Biberach e. V. die Trägerschaft der Alltagsbegleitung übernommen. Zuvor war dieser Bereich von Ingeborg Pfaff im Auftrag des Vereins Lebensqualität Burgrieden aufgebaut und geprägt worden. Mit dem Übergang an das DRK wurde die Alltagsbegleitung auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt und langfristig abgesichert. Für den Kreisverband bedeutete die Übernahme zugleich den Einstieg in ein neues Aufgabenfeld.
DRK-Kreisverbandspräsident und Landrat Mario Glaser zog bei der Jubiläumsfeier eine positive Bilanz: Die Entscheidung zur Übernahme habe sich als richtig erwiesen. Das Projekt zeige beispielhaft, wie das Deutsche Rote Kreuz mit seiner Erfahrung in sozialen Dienstleistungen zur Stärkung neuer Wohn- und Betreuungsformen im Alter beitragen könne.
Auch Alexandra Winter, Leiterin der Sozialarbeit beim DRK-Kreisverband Biberach, blickte auf ein intensives erstes Jahr zurück. Das Team habe sich in viele neue Themen einarbeiten müssen, insbesondere in die besonderen Strukturen einer selbstverantwortlich organisierten Wohngemeinschaft. „Die Zusammenarbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Angehörigen sowie allen Partnern funktioniert ausgesprochen gut“, betonte Winter. Besonders wichtig sei ihr dabei, dass das ursprüngliche Konzept der WG erhalten bleibe: „Dieses Modell zeigt, wie Eigenverantwortung und Gemeinschaft im Alter gelingen können.“ Ihr Dank galt dem Verein Lebensqualität Burgrieden, der Bürgerstiftung, vertreten durch Hermann Härle und Konrad Ganal, dem Bürgermeister Frank Högerle und der Gemeinde, dem Pflegedienst Lerch sowie dem Team der Alltagsbegleitung für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit.
Insgesamt 16 hauptamtliche und zwei ehrenamtlich Mitarbeitende sind derzeit in der Alltagsbegleitung tätig. Sie sorgen für frisch gekochte Mahlzeiten, erledigen Einkäufe, begleiten zu Terminen und gestalten den Alltag abwechslungsreich. Eine von ihnen ist Sibylle Häfele, die seit der Gründung 2017 in der WG arbeitet. Sie beschreibt ihre Tätigkeit als „familiär und nah am Menschen“ und betont die Bedeutung einer verlässlichen Präsenz für das Sicherheitsgefühl der Bewohnerinnen und Bewohner.
Wie sehr das Konzept im Alltag trägt, zeigen auch die Rückmeldungen der Seniorinnen und Senioren selbst. Die 94-jährige Rosmarie Hörmann, seit vier Jahren Bewohnerin der WG, schätzt besonders die ebenerdige Umgebung, die Gemeinschaft und die täglichen Angebote. „Es ist schön, dass ich nicht allein bin“, sagte sie und hob die Nachmittagsaktivitäten hervor.
Die Weihnachtsfeier machte deutlich, wie sehr das Miteinander von Bewohnern, Angehörigen, Ehrenamtlichen und Fachkräften den Alltag in der Wohngemeinschaft prägt. Das erste Jahr unter der Trägerschaft des DRK-Kreisverbands Biberach e. V. hat gezeigt, dass das Burgrieder Modell nicht nur organisatorisch trägt, sondern auch menschlich überzeugt – als wohnortnahes, solidarisches und zukunftsfähiges Konzept für das Leben im Alter.
