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Von London nach Biberach: 17-Jähriger sammelt Erfahrungen beim DRK und der Sana-Klinik

Mehrere Personen stehen vor einem Rettungswagen.Foto: DRK-Kreisverband Biberach e.V.
Louis Boon (Mitte) ist mit seinem Vater Anthony Boon (3. von links) durch die Vermittlung von Helga Reiser, Vorsitzende des Guernsey-Ausschusses (rechts), nach Biberach gekommen. Andreas Braungardt, stellvertretender Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband (links), Fabian Kosok, stellvertretender Leiter Rettungswache Biberach (2. von links), Michael Mutschler, Geschäftsführer Rettungsdienst beim DRK-Kreisverband (2. von rechts) und Dr. Sebastian Hafner, Chefarzt Anästhesie in der Sana-Klinik (3. von rechts) freuen sich auf die Zusammenarbeit.
Eine junge Frau erklärt einem jungem Mann in einem Rettungswagen etwas.Foto: DRK-Kreisverband Biberach e. V.
Rettungssanitäterin Annika Thömmes zeigt Louis Boon (rechts) den Rettungswagen.

Die Familiengeschichte seines Ururgroßvaters führt Louis Boon nach Oberschwaben.

Für Louis Boon ist Biberach nicht irgendeine Stadt. Sein Ururgroßvater Ernest Boon aus Guernsey war während des Zweiten Weltkriegs im Lager Lindele interniert, starb später in Biberach und wurde auf dem Evangelischen Friedhof beigesetzt. Jahrzehnte später kommt nun sein Ururenkel in die Stadt – als angehender Medizinstudent und Hospitant beim DRK-Kreisverband Biberach und in der Sana Klinik Biberach.

Im Juli war der 17-Jährige gemeinsam mit seinem Vater Anthony aus London zu Gast. Möglich wurde die einwöchige Hospitation durch den Guernsey-Ausschuss des Vereins Städte Partner Biberach. Die Vorsitzende Helga Reiser hatte beim DRK angefragt, ob Louis Boon Einblicke in den Rettungsdienst bekommen könne. „Wir finden es wichtig, uns zu öffnen und auszutauschen“, sagt Michael Mutschler, Geschäftsführer Rettungsdienst des DRK-Kreisverbands Biberach. Deshalb habe der Kreisverband die Hospitation gerne unterstützt. Die Verbindung reicht auch in die Geschichte des DRK zurück: Das Rote Kreuz war während des Zweiten Weltkriegs an der Versorgung der Menschen im Lager Lindele beteiligt. Von 1940 bis 1945 wurden etwa 2000 Personen von den Kanalinseln deportiert und im Lager Lindele gefangen gehalten.

Für Louis Boon war der Aufenthalt eine Reise in die Vergangenheit – und zugleich ein Blick in die eigene Zukunft. Er möchte Medizin studieren, interessiert sich besonders für Notfallmedizin und engagiert sich freiwillig in einem Krankenhaus in Großbritannien. Seit fünf Jahren lernt er Deutsch. 2027 soll das Medizinstudium beginnen.

Auf der Rettungswache konnte Boon den Arbeitsalltag des DRK hautnah kennenlernen. Besonders angetan war er von der Mischung aus dem direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten und dem Umgang mit medizinischen Geräten. Selbst scheinbar kleine Tätigkeiten seien für ihn lehrreich gewesen. „Schon das Messen des Blutdrucks war sehr bereichernd“, berichtete der 17-Jährige. Besonders beeindruckt habe ihn, wie viel sich mit kleinen Handgriffen bewirken lasse.

Anschließend wechselte Boon vom Rettungsdienst in die Sana-Klinik. Dr. Sebastian Hafner, Chefarzt der Anästhesie, ermöglichte ihm Einblicke in die Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Louis Boon konnte Operationen und Sprechstunden begleiten und verschiedene Abteilungen kennenlernen. „Meine Zeit im Krankenhaus war sehr abwechslungsreich“, sagte Boon. Trotz seiner noch nicht perfekten Deutschkenntnisse habe er sich von den Ärztinnen und Ärzten sehr gut aufgenommen gefühlt.

Doch Louis Boon kam nicht nur wegen der Medizin nach Biberach. Gemeinsam mit seinem Vater und Mitgliedern des Guernsey-Ausschusses besuchte er die Ausstellung über das Lager Lindele in der Hochschule für Polizei und den Evangelischen Friedhof. Dort standen Vater und Sohn am Grab von Ernest Boon, dem Ururgroßvater von Louis. Es war ein besonderer Moment: Louis Boon konnte einen Ort sehen, der bislang nur Teil der Familiengeschichte gewesen war.

Auch die Stadt selbst lernte der 17-Jährige kennen. Biberach und Rißegg, wo er während seines Aufenthalts untergebracht war, gefielen ihm gut. „Biberach ist für mich eine perfekte Mischung aus Alt und Neu“, sagte er.

So nahm Louis Boon am Ende seines Aufenthalts nicht nur viele medizinische Eindrücke mit nach London. Er lernte einen Teil seiner Familiengeschichte aus nächster Nähe kennen, knüpfte neue Kontakte und kam gleichzeitig seinem Berufswunsch ein Stück näher.

Louis' Fazit fiel positiv aus: Das Praktikum beim DRK und in der Klinik habe seine Erwartungen sogar übertroffen. „Ich habe mich sehr willkommen gefühlt und bin dankbar für all die Möglichkeiten, die mir geboten wurden.“ Und vielleicht war der Aufenthalt in Biberach nicht der letzte: „Ich hoffe sehr, eines Tages zurückzukehren.“ Bis dahin steht allerdings erst einmal das letzte Schuljahr an – und danach, wenn alles nach Plan läuft, das Medizinstudium.