Das Zugunglück von Zell-Bechingen am 27. Juli 2025 ist für den DRK-Kreisverband Biberach einer der größten Einsätze der vergangenen Jahre gewesen. Beim 10. Hittfelder MANV-Tag in Niedersachsen stellten medizinische Führungskräfte ihre Erfahrungen aus diesem Einsatz einem bundesweiten Fachpublikum vor. Rund 500 Zuhörinnen und Zuhörer verfolgten den Vortrag.
Dr. Peter Dietz, Sprecher der Leitenden Notärzte im Landkreis Biberach, Michael Mutschler, DRK-Geschäftsführung Rettungsdienst, sowie David Dürr, Leiter der Integrierten Leitstelle Biberach, waren damals zusammen bei dem Unglück im Einsatz. Sie gaben nun beim MANV-Tag praxisnahe Einblicke und beleuchteten insbesondere die operative Bewältigung der komplexen Großschadenslage aus medizinischer und einsatztaktischer Sicht.
Der Vortrag machte deutlich, wie anspruchsvoll die Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) ist und wie entscheidend das Zusammenspiel von Rettungsdienst, Bevölkerungsschutz, Integrierter Leitstelle und weiteren Blaulicht-Organisationen funktioniert. Eine sorgfältige Planung, klar strukturierte Führungswege und eingespielte Abläufe wurden dabei als zentrale Faktoren hervorgehoben, um auch dynamische Einsatzlagen beherrschbar zu halten.
Beim Zugunglück bei Riedlingen kamen drei Menschen ums Leben, rund 40 wurden teils schwer verletzt. Innerhalb kürzester Zeit waren mehr als 300 medizinische Einsatzkräfte aus Haupt- und Ehrenamt organisationsübergreifend vor Ort. Das DRK stellte dabei einen erheblichen Anteil der rettungsdienstlichen und bevölkerungsschutzbezogenen Kräfte, darunter Rettungswagen, Notarzteinsatzfahrzeuge und Krankentransportwagen.
Parallel übernahmen DRK-Einheiten gemeinsam mit Notärzten die Erstversorgung, Betreuung Betroffener sowie den Transport der Verletzten in Kliniken im Südwesten. Zudem unterstützten Drohnen- und Rettungshundestaffeln die Lageerkundung und die Suche im Gelände. Die Integrierte Leitstelle koordinierte den Gesamteinsatz und erhielt Unterstützung durch zusätzliche Kräfte sowie übergeordnete Leitstellen. Die Einsatzleitung vor Ort wurden durch einen Leitenden Notarzt (LNA) und den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (ORGL) übernommen.
„Das Programm bot eine beeindruckende Bandbreite von konkreten Einsatzberichten bis hin zu Fachthemen“, sagt David Dürr. „Gerade diese Kombination macht den Wert der Veranstaltung aus.“ Michael Mutschler hebt hervor, wie wertvoll der Blick auch auf andere Einsatzlagen ist: „Die Berichte etwa zum Amoklauf in Graz oder zur Amokfahrt auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg zeigen, wie unterschiedlich MANV-Lagen sein können und wie wichtig der Erfahrungsaustausch auch länderübergreifend ist, um voneinander zu lernen.“
Auch die Nachbereitung spielte eine zentrale Rolle. „Solche Formate sind wichtig, um Einsätze strukturiert auszuwerten und die Qualität unserer Arbeit weiterzuentwickeln“, erläutert Dr. Peter Dietz. „Der offene Austausch hilft dabei, Strukturen zu verbessern und aus realen Lagen nachhaltig zu lernen.“
Der MANV-Tag, in Kooperation mit den Johannitern sowie dem DRK und lokalen Harburger Organisationen wie Notarztdienst, Organisatorischen Leitern Rettungsdienst und Feuerwehr, unterstrich damit erneut seine Bedeutung als bundesweite Fortbildungsplattform. Die Veranstaltung, die vor zehn Jahren erstmals stattfand, hat sich inzwischen als fester Treffpunkt für Einsatzkräfte etabliert und setzt jährlich wichtige Impulse für die Notfallrettung und den Bevölkerungsschutz.
