Überall in der Region ist in den vergangenen Tagen die 30-Grad-Marke geknackt worden – und es soll noch heißer werden. Der DRK-Kreisverband Biberach und die DRK-Bereitschaft Laupheim machen auch mit Blick auf das am Donnerstag beginnende Kinder- und Heimatfest in Laupheim auf die Risiken bei großer Hitze aufmerksam und geben Verhaltenstipps. „Besonders ältere, chronisch kranke und sehr junge Menschen haben ein erhöhtes Risiko, gesundheitliche Probleme bei hohen Umgebungstemperaturen zu entwickeln“, warnt der DRK-Kreisverbandsarzt Dr. Steffen Strobel.
Zu viel Hitze kann zahlreiche zunächst harmlose Symptome hervorrufen. Darunter auch den Hitzeausschlag bei kleinen Kindern oder leichte Beinödeme, also Wassereinlagerungen, bei meist älteren Menschen. Auch hitzebedingte Muskelkrämpfe, wie sie oft durch hohe Flüssigkeits- und Elektrolytverluste nach stärkerer körperlicher Betätigung auftreten, können noch zu den leichteren Symptomen gezählt werden. Anders sieht es bei Hitzeerschöpfung, Hitzschlag und Sonnenstich aus. „Wenngleich nicht primär lebensbedrohlich, können sich diese jedoch gerade bei chronisch kranken, älteren Menschen oder Kindern hin zu lebensbedrohlichen Zuständen entwickeln“, sagt Michael Mutschler, Geschäftsführer Rettungsdienst beim DRK-Kreisverband Biberach.
Zum klassischen Hitzschlag kommt es laut Dr. Steffen Strobel, wenn sich die Körperkerntemperatur hitzebedingt über 40 Grad Celsius erhöht und die Temperaturregulation des Organismus versagt. Die Temperaturerhöhung löse Übelkeit und Erbrechen aber auch neurologische Störungen wie Gangstörungen und Bewusstseinsbeeinträchtigungen bis hin zu Krampfanfällen und Koma aus. „Diese Symptome können mit zeitlicher Verzögerung auftreten“, so Strobel „Die Symptomatik kann sich sehr dramatisch entwickeln, die Sterblichkeit liegt insbesondere bei älteren oder vorerkrankten Personen bei mehr als 50 Prozent.“
Präventive Maßnahmen
Er weist darauf hin, dass präventive Maßnahmen zu einem „massiven Rückgang“ von hitzebedingten Todesfällen führen würden. Bei extremen Außentemperaturen sollten längere Aufenthalte im Freien, direkte Sonneneinstrahlung und körperliche Anstrengungen vermieden werden. Ein zentrales Thema sei bekanntermaßen ausreichend zu trinken, an heißen Tagen könnten es durchaus drei bis vier Liter sein. Auch eine Kopfbedeckung und luftige Kleidung könnten bei großer Hitze hilfreich sein. Zudem sollten kühle Orte aufgesucht werden, damit der Körper wieder abkühlen kann. Außerdem sollte man auf keinen Fall Kinder und ältere Personen im heißen Auto warten lassen oder in Rollstuhl oder Kinderwagen in die Sonne stellen. Auch für Tiere können überhitzte Autos schnell zur Gefahr werden.
Wer bei hohen Temperaturen Sport treiben will, dem rät der DRK-Kreisverbandsarzt, dies in den kühleren Morgen- oder Abendstunden zu tun. Genügend elektrolythaltige Flüssigkeitszufuhr sowie eine Kopfbedeckung seien dabei ebenfalls sinnvoll. „Untrainierte Menschen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel einer Herzerkrankung sollten sich an extrem heißen Tagen mit Sport zurückhalten“, sagt Strobel. Gerade bei jungen Erwachsenen komme es häufiger zu Hitzeschäden, die durch exzessive Anstrengung – beispielsweise beim Ausdauersport – bei heißen Umgebungstemperaturen verursacht werden. Auch der sogenannte Anstrengungshitzschlag, der meist bei jungen, ansonsten gesunden Sportlern vorkommt, sei mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu fünf Prozent ebenfalls nicht zu unterschätzen.
Wovor Strobel ausdrücklich warnt: betrunken schwimmen zu gehen. Dies könne lebensgefährlich sein. Denn Alkohol führe zu einer Gefäßerweiterung. „In Kombination mit hohen Umgebungstemperaturen kann dies zu einem ausgeprägten Blutdruckabfall führen, was nicht selten zu einer Hitzeohnmacht mit Bewusstlosigkeit führt.“ Beim Feiern an Badegewässern komme es dadurch immer wieder zu Ertrinkungsunfällen.
Mehr Einsätze
Wie Michael Mutschler berichtet, verzeichnete der Rettungsdienst in den vergangenen Tagen eine deutliche Zunahme hitzebedingter Einsätze. 33-mal wurde er wegen eines Kreislaufkollapses gerufen, fünfmal wegen eines Hitzschlags, 14-mal wegen starker allergischer Reaktionen (Anaphylaxien). Hinzu kommt ein Ertrinkungsunfall im Freibad Biberach und einer außerhalb des Landkreises, zu dem Taucher angefordert wurden.
Tipps bei extremer Hitze
- Viel Flüssigkeit trinken: Normalerweise braucht der Mensch etwa zwei Liter Flüssigkeit pro Tag. An heißen Tagen können es aber durchaus drei bis vier Liter sein. Körperlich anstrengende Arbeit oder Sport erhöhen den Flüssigkeitsbedarf zusätzlich. Wer zu wenig trinkt, wird schnell müde und kann sich schlechter konzentrieren.
- Leichte Speisen essen: Schwer verdauliche, fettreiche oder üppige Mahlzeiten liegen schwer im Magen und belasten den Kreislauf zusätzlich. Deshalb sollte lieber Salat oder Obst statt Braten gegessen werden.
- Salz- und Mineralstoffe ersetzen: Wenn wir viel schwitzen verliert unser Körper auch wichtige Mineralien und Spurenelemente. Diese können durch Mineraldrinks wieder ersetzt werden.
- Luftige Kleidung tragen: Für den Sommer empfiehlt sich helle, luftige Kleidung aus Naturfasern. Dadurch lässt sich ein Hitzestau im Körper vermeiden. Bei direkter Sonneneinstrahlung sollten vor allem Kinder eine Kopfbedeckung tragen.
- Überanstrengungen vermeiden: Der Kreislauf sollte durch schwere körperliche Arbeit oder Sport nicht noch zusätzlich belastet werden. Denn jede körperliche Anstrengung erhöht den Energieumsatz und damit die Körperwärme, die der Körper an die Umgebung abgeben muss. Besser ist es, Sport in den frühen Morgenstunden oder am Abend zu betreiben.
- Hitze tagsüber aussperren: Wohnungen und Häuser werden am besten morgens und abends gut durchgelüftet. Tagsüber sollten Rollläden und Jalousien geschlossen bleiben.
- Schnelle Abkühlung suchen: Wenn es gar nicht mehr gehen sollte, hilft zur schnellen Abkühlung kaltes Wasser auf die Innenseite der Handgelenke. Noch besser: ein kaltes Unterarm- und Fußbad. Durch den Kältereiz werden die Gefäße wenigstens für kurze Zeit enger gestellt, der Kreislauf wird wieder gestärkt.
- Alkohol vermeiden: Nach Alkoholgenuss werden die Gefäße im Körper zusätzlich noch weiter gestellt, als sie ohnehin schon sind, das heißt dem Kreislauf steht noch weniger Blut zur Verfügung. Zusätzlich wird die Flüssigkeitsausscheidung über die Niere angeregt – der Körper verliert noch mehr Flüssigkeit und Mineralstoffe. Während der heißen Tage sollte deshalb besser auf alkoholhaltige Getränke verzichtet werden.
