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DRK-Spitze trifft Kreisverbände in Biberach

Foto: hopp media
Die Spitze des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg (in der Bildmitte Präsidentin Barbara Bosch) hat sich mit den Verantwortlichen der südlichen Kreisverbände in Biberach getroffen.

Barbara Bosch hatte zu einem informellem Treffen eingeladen.

Die Spitze des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg zu Gast in Biberach: Barbara Bosch, Präsidentin des Landesverbands und zugleich Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, hatte die Verantwortlichen der südlichen Kreisverbände zur zweiten Etappe ihrer „Tour de Länd“ eingeladen – ein informelles Treffen, bei dem aktuelle verbandspolitische Themen besprochen und Perspektiven ausgetauscht werden. Im Fokus stand neben der Helfergleichstellung auch die Rolle des DRK in einer veränderten Sicherheitslage. 

Knapp 20 Vertreter der benachbarten Kreisverbände, die zum sogenannten Südsprengel gehören, waren ins Biberacher Rathaus gekommen. Darunter die beiden Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Biberach, Michael Mutschler und Peter Haug, sowie Präsident Mario Glaser und seine beiden Stellvertreter Dr. Christopher Maier und Eva-Britta Wind. Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler, der auch Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Biberach ist, übernahm als Gastgeber die Begrüßung und stellte Biberach in kurzen Worten vor. 

Barbara Bosch, die von Landesgeschäftsführer Marc Groß und dem stellvertretenden Landesgeschäftsführer Steffen Sandrock begleitet wurde, unterstrich einleitend die Bedeutung eines solchen Treffens außerhalb der gewohnten Gremienstrukturen. Sie verwies auf die derzeitigen Veränderungen, Umbrüche und Transformationen, die das DRK sowohl im Landesverband als auch in den Kreisverbänden in allen Bereichen beträfen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Dinge nicht mehr so bleiben, wie sie jetzt sind. Es ist deshalb wichtig, dies im Gespräch mit den Spitzen der Kreisverbände immer wieder aufzurufen und gemeinsam zu diskutieren.“ 

Erfolg bei der Helfergleichstellung
Positiv blickte die Präsidentin auf das zurück, was beim Thema Helfergleichstellung erreicht wurde. Den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des DRK und der anderen Hilfsorganisationen fehlten bislang landesweit einheitliche Regelungen für Freistellung und Entschädigung – anders als bei Feuerwehr und THW. Nur im Katastrophenfall und bei außergewöhnlichen Einsatzlagen war geklärt, dass sie von der Arbeit freigestellt werden und einen Lohnersatz erhalten. 

Geregelt ist dies im Katastrophenschutzgesetz, das im vergangenen Jahr novelliert wurde. Um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen, gleiche Rechte für alle Helfenden im Katastrophenschutz zu schaffen, hatte der Landesverband eine Demonstration veranstaltet, zu der im September 150 Bevölkerungsschutzkräfte DRK aus dem ganzen Land nach Stuttgart gekommen waren. Mit Erfolg. „Wir haben jetzt eine weitgehende Helfergleichstellung, insbesondere was die Freistellung betrifft“, sagte Barbara Bosch. „Das ist nicht nur eine finanzielle und organisatorische Entlastung, es kommt auch eine Wertschätzung zum Ausdruck.“ 

Positionspapier zur Wahl 
Die Helfergleichstellung war eine von mehreren Forderungen, die die beiden DRK-Landesverbände in Baden-Württemberg in einem gemeinsam Positionspapier zur Landtagswahl zusammengestellt hatten. Auch die Sicherstellung der Finanzierung der Rettungswachen tauchte darin auf. Mit dem im Dezember 2025 verabschiedeten Nachtragshaushalt konnte zumindest der bestehende Förderstau aufgelöst werden – 80 Millionen Euro wurden für den Bau und die Sanierung von Rettungswachen bereitgestellt. 

Es stelle sich aber die Frage, so die Präsidentin des Landesverbands, wie es weitergehe. Aufgrund der im neuen Rettungsdienstgesetz vorgeschriebenen Planungsfrist, die den Zeitraum für das Eintreffen von Rettungsmitteln in bestimmten Fällen von 15 auf zwölf Minuten verkürzt, werde der Bau weiterer Rettungswachen notwendig. Aus den Reihen der Geschäftsführer wurde angemerkt, dass sowohl bei der Helfergleichstellung als auch bei den Förderbescheiden eine schnellere Umsetzung wünschenswert wäre. Ebenso wurde angeregt, Standards beim Bau von neuen Rettungswachen kritisch zu hinterfragen, um Kosten zu senken. 

Landesgeschäftsführer Marc Groß verwies auf die gesetzliche Grundlage, dass das Land den Bau von Rettungswachen mit 90 Prozent der förderfähigen Kosten zu finanzieren hat. Der Landesverband habe die Erwartung, dass sich das Land künftig daran halte. „Wir werden in einer sich verändernden Kliniklandschaft auch in Zukunft neue Rettungswachen bauen.“ Groß merkte zudem an, dass der Landesverband seine Interessen und Positionen gegenüber der Landespolitik künftig anders vertreten und einbringen müsse. Angesichts des Wahlergebnisses sei eine intensivere Zusammenarbeit mit den Regierungsparteien angesagt. 

Neues strategisches Handlungsfeld
Ein weiteres Thema der Gesprächsrunde war das neue strategische Handlungsfeld des Landesverbands. Es befasst sich damit, das komplexe Hilfeleistungssystem weiterzuentwickeln und sich auf die veränderte Sicherheitslage vorzubereiten. Barbara Bosch machte auf eine Vielzahl an Fragestellungen im Bereich der zivilmilitärischen Zusammenarbeit aufmerksam. Eine Blaupause gebe es nicht. Bislang habe die Bundeswehr dem DRK bei Großschadensereignissen geholfen. 

Jetzt müsse sich das DRK darauf vorbereiten, der Bundeswehr zu helfen. „Das ist eine völlig veränderte Situation.“ So könne man Ehrenamtliche im Bevölkerungsschutz nicht für einen Einsatz verpflichten, Freiwilligkeit sei ein Grundsatz. Auch die „Mehrfachverplanung von Helfern“, wenn diese beispielsweise für DRK und Feuerwehr tätig sind, müsse berücksichtigt werden. In der Folge wurde unter anderem über die Rolle ungebundener Helfer und über die bestmögliche Vorbereitung auf einen NATO-Bündnisfall diskutiert. Barbara Bosch merkte an, dass Erste-Hilfe-Kurse noch mehr in der Bevölkerung etabliert werden müssten, damit diese resilienter sei. Nicht alles könne im Ernstfall mit Profis bewältigt werden.