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Rückblick - eine FSJ-Absolventin berichtetRückblick - eine FSJ-Absolventin berichtet

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Rückblick - eine FSJ-Absolventin berichtet

Ansprechpartner

Daniela Schubert

Telefon 07351 1570-14
Telefax 07351 1570-514
bewerbung(at)drk-bc.de

Lieber Nachfolger, liebe Nachfolgerin,
mein eigenes freiwilliges soziales Jahr neigt sich dem Ende zu und für mich beginnt ein neuer Abschnitt. Bevor ich mich auf den Weg mache, würde ich dir als meinem möglichen Nachfolger gerne noch ein paar Dinge mitgeben, die dir helfen sollen, dich gut in deiner neuen Aufgabe zurechtzufinden.

Der Einstieg ins Freiwillige Soziale Jahr

Angefangen hat mein Jahr mit dem einmonatigen Rettungshelfer-Lehrgang in Ulm im September. Für mich persönlich war dieser Lehrgang gleich eine der schönsten Erfahrungen meines Dienstes. Zusammen mit vielen anderen bricht man in eine neue Lebenserfahrung auf, und in diesem Monat werden einem die wichtigsten Werkzeuge mitgegeben, um das Jahr erfolgreich zu meistern.

Erste Praktika bieten Einblicke
Im Anschluss an den Rettungshelfer-Lehrgang beginnen das Krankenhaus- und Rettungswachenpraktikum. In dieser Zeit solltest du gut aufpassen und viel mitnehmen. Während des Krankenhauspraktikums lernst du verschiedene Krankheitsbilder und Behandlungsmethoden kennen. Im Rettungswachenpraktikum lernst du dann deine Einsatzstelle kennen und darfst zum ersten Mal als Praktikant bei den Einsätzen mithelfen. Diese Zeit soll dir ermöglichen, den Alltag und die Arbeit kennenzulernen und dich ohne Druck einzuleben. Während der gesamten Einarbeitungsphase wirst du von Mitarbeitern des Trägers Aalen und der Personalabteilung deiner Einsatzstelle begleitet und kannst dich bei Unklarheiten jederzeit telefonisch, persönlich oder per E-Mail melden. Die Umstellung von den gewohnten Schulzeiten auf richtige Arbeitszeiten und den Schichtdienst ist anfangs vielleicht ein bisschen anstrengend, aber daran gewöhnst du dich schnell.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Tag auf meiner Rettungswache erinnern, an dem ich keine Praktikantin mehr war, sondern aktiver Teil der Besatzung eines Krankentransportwagens. Die Aufregung an diesem Morgen war enorm, hat sich aber über den Tag hinweg gelegt. Es gibt immer Kollegen, die dir unbekannte Dinge erklären oder dich anleiten. Also trau dich, besonders am Anfang viele Fragen zu stellen, und mach dich bemerkbar, wenn du etwas nicht verstanden hast oder Probleme mit der Umsetzung hast. Unwissen oder Halbwissen sind im Rettungsdienst sehr gefährlich, weil Menschen dabei zu Schaden kommen könnten. Aber Fehler sind nun mal auch menschlich, niemand wird dich für einen Fehler verurteilen. Versuche immer, aus deinen Fehlern zu lernen und deine Leistung so gut wie möglich zu erbringen. Dafür stehen zum Beispiel Fortbildungen innerhalb deines Kreisverbandes zur Verfügung, ebenso der Austausch mit deinen FSJ-Kollegen.

Die Seminare: Qualifikation und Austausch
Neben den Praktika und der Arbeit auf der Wache gibt es noch verschiedene FSJ- Seminare. Es finden insgesamt vier Seminare statt, bei denen man sich mit FSJlern aus anderen Kreisverbänden austauschen kann, gemeinsam Projekte bearbeitet und die Teamarbeit fördert. Abschließend geht es dann noch für eine Woche nach Krakau. Jedenfalls normalerweise: In meinem Jahr fielen aufgrund der Corona-Krise zwei Seminare und die Krakau-Reise leider aus.

Deine Aufgaben im Rettungsdienst bestehen sowohl in der Notfallrettung als auch im Krankentransport. Die Unterschiede zwischen den beiden Bereichen lernst du während deines Rettungshelfer-Lehrgangs kennen. Nach dem Praktikum beginnst du erst einmal mit Krankentransportschichten, um die Wache und die Arbeit besser kennenzulernen. Dabei stehen neben dem Transport von kranken Menschen noch andere Aufgaben an, zum Beispiel die Instandhaltung der Fahrzeuge durch Technik-Check und Desinfektion. Außerdem gibt es auch einige Aufgaben auf der Wache, bei denen du die hauptamtlichen Mitarbeiter unterstützt. Besonders herausfordernd ist es am Anfang, immer alles zu finden. Die Wache und vor allem das Lager scheinen anfangs riesig, und man findet immer wieder neue Ecken, die man davor noch nicht gekannt hat. Ich erinnere mich dabei sehr gerne zurück an den Tag, an dem ich das erste Mal den Profiltiefenmesser für die Fahrzeuge holen sollte... Die Einarbeitung dauert seine Zeit, also lass dich nicht unter Druck setzen und schau dir einfach alles genau an.

Was zu Beginn deines Dienstes auch sehr wichtig ist: neue Kontakte knüpfen. Lerne deine Kollegen kennen und stell dich allen vor. So lernst du die Namen deiner Kollegen und sie wissen, mit wem sie ein Jahr lang zusammenarbeiten werden. Es ist immer schön, wenn man sich gut mit den Kollegen versteht, daraus können sogar Freundschaften entstehen.

Durchstarten als Rettungssanitäter
Wenn man sich dann so langsam eingelebt und schon einige Schichten gearbeitet hat, geht es weiter mit dem Rettungssanitäter-Lehrgang. In diesem erwirbst du zusätzliche Kompetenzen und kannst anschließend als zweite Person auf dem Rettungswagen mitfahren, was du als Rettungshelfer nicht darfst. Parallel zu der neuen Aufgabe hast du die Möglichkeit, einen zusätzlichen Führerschein zu erwerben. Für die meisten Rettungswagen benötigt man den C1-Führerschein. Den zu machen wird dir von deiner Einsatzstelle bezahlt, wenn du gewisse Voraussetzungen erfüllst. Hast du den Rettungssanitäter dann geschafft und den C1-Führerschein in der Tasche, kann der Freiwilligendienst so richtig durchstarten. Du fährst nun wie deine hauptamtlichen Kollegen sowohl Rettungswagen als auch Krankentransportwagen und kannst viele neue Situationen erleben. Neben einem kühlen Kopf und den Kenntnissen aus deiner bisherigen Ausbildung sind dabei gute Ortskenntnisse wichtig. Du wirst derjenige/diejenige sein, der/die die Fahrzeuge die meiste Zeit fahren wird. Also wäre es gut, wenn du schon Fahrpraxis mitbringst.

Auch beim Fahren gibt es wichtige Regeln, an die man sich halten sollte. Darüber wirst du während deiner Einarbeitung ausreichend informiert und übst das ganze natürlich auch.

Die Arbeit beim DRK ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich und kein Tag ist wie der andere. Am einen Tag ist es entspannt und ruhig, an anderen Tagen verbringst du die meiste Zeit im Auto und im Einsatz. Dir sollte bewusst sein, dass du bei dieser Arbeit ein wichtiger Teil des Teams bist und du deine Aufgaben gewissenhaft erledigen musst. Auf dich werden viele Situationen zukommen, in denen man schnell und zielgerichtet reagieren muss. Dafür ist es wichtig, die Abläufe eines Einsatzes zu kennen. Neben einem einfachen Dialyse-Transport erwarten dich auch Situationen wie eine Reanimation oder ein Herzinfarkt. Wichtig ist dabei, so gut es geht die Ruhe zu bewahren und im Team zu arbeiten. Du wirst oft mit Situationen konfrontiert werden, aus denen du auch lernen wirst. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Signalfahrt und meine erste Reanimation erinnern. Die Aufregung davor ist natürlich riesig, aber man ist nie alleine. Nach und nach lernst du im Team alle Abläufe kennen und kannst sie problemlos umsetzen. Rede viel über vergangene Einsätze, am besten auch mit deinen Kollegen, um diese auch adäquat zu verarbeiten. Falls dich doch etwas stören sollte, oder es Probleme mit Kollegen geben sollte, ist es sehr wichtig, dass du dich mit deinen Ansprechpartnern in Verbindung setzt. Das FSJ soll dir Spaß machen.

Goldene Regeln zum Schluss
Wie bereits erwähnt, ist das persönliche Vorstellen bei deinen neuen Kollegen sehr wichtig. Deswegen bei Schichtbeginn immer bei noch unbekannten Kollegen vorstellen. Im Rettungsdienst duzen sich übrigens die meisten Kollegen.

Außerdem ist bei deinem FSJ Pünktlichkeit sehr wichtig. Sei also immer rechtzeitig vor Schichtbeginn da und achte darauf, dass du deine persönliche Arbeitskleidung immer richtig trägst.

Für die Instandhaltung der Wache und der Einsatzfahrzeuge ist es wichtig, dass du darauf achtest, nichts zu beschädigen und alles ordentlich und sauber zu halten. Wenn nach deiner Schicht das Einsatzfahrzeug verschmutzt ist, dann sorge dafür, es wieder so zu hinterlassen, wie du es vorgefunden hast. Falls doch mal etwas kaputt gehen sollte, dann einfach melden und nicht verschweigen.

Mein Fazit
Rückblickend ging mein freiwilliges soziales Jahr sehr schnell vorüber. Ich bin sehr froh, dass ich mich für das FSJ entschieden habe, da ich mich innerhalb der zwölf Monate sehr weiterentwickeln konnte und viel selbstständiger und verantwortungsbewusster geworden bin.

Ich wünsche mir für dich als Nachfolger, dass dir das FSJ viel Spaß machen wird, du neue Erkenntnisse und vielleicht sogar den einen oder anderen neuen Freund dazugewinnen und hinterher genauso positiv auf das Jahr zurückblicken kannst und dir viele Momente in Erinnerung bleiben.

Also, einen guten Start und ganz viel Glück!

Corinna