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Wie Maschine und Mensch Leben retten

Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung entlastet ein Gerät künftig die DRK-Mitarbeiter Biberach - Mit Beginn des neuen Jahres wird ein Teil der Rettungswagen im Landkreis Biberach zum ersten Mal überhaupt mit einer Reanimationshilfe ausgestattet. Wie dieses technische Gerät funktioniert und welche Vorteile es bringen soll, haben die Verantwortlichen bei einem Pressegespräch am Dienstag im Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Biberach erläutert.

Gleichmäßig und immer auf denselben Punkt drückt die Maschine auf den Brustkorb. 30 Mal geht das so, anschließend betätigt ein Mitarbeiter des Rettungsdiensts zweimal den Beatmungsbeutel. Ohne die Herz-Lungen-Wiederbelebung würde der Kreislauf des Patienten zum Stehen kommen und in der Folge das Gehirn einen Sauerstoffmangel erleiden. Mit einer Reanimation kann der unmittelbar drohende Tod verhindert werden.

Bei der Präsentation der neuen Reanimationshilfe diente natürlich kein „echter“ Patient, sondern eine Puppe als Versuchsobjekt. Das Prinzip wurde aber dennoch eindrucksvoll deutlich: Dadurch, dass die Maschine die Reanimation übernimmt, hat der Retter beide Hände frei, um beispielsweise eine medikamentöse Therapie einzuleiten.

„Zudem erleichtern uns diese Geräte den Transport des Patienten“, erläutert der Geschäftsführer des DRK-Rettungsdiensts, Michael Mutschler. Bisher mussten die Retter nebenherlaufend oder auf der Liege kniend die Herzmassage ausführen. Darüber hinaus können Betroffene mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden: „Aufgrund der Enge in den Rettungshubschraubern wurden reanimationspflichtige Personen nur sehr ungern mitgenommen.“

Fünf solche Geräte, in denen jede Menge Technik steckt, wurden für den Landkreis Biberach angeschafft. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 80000 Euro, welche die Krankenkassen tragen. Wie Mutschler erläutert sind die Geräte schon seit ein paar Jahren auf dem Markt: „Aufgrund ihrer Weiterentwicklung setzen sie sich nach und nach durch.“ Auch in den Nachbarlandkreisen Alb-Donau und Ravensburg sollen beziehungsweise sind diese Hilfen bereits angeschafft worden. Der baden-württembergische Landesausschuss für den Rettungsdienst verständigte sich auf diesen Schritt.

Kein Personal einsparen

Den Krankenkassen, auch sie gehören dem Ausschuss an, ginge es dabei nicht darum, Personal einzusparen. Das betonte Hans-Joachim Seuferlein, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Ulm-Biberach, bei dem Pressegespräch ausdrücklich: „Die frei werdenden Ressourcen können zum Beispiel für koordinative Tätigkeit eingesetzt werden.“ Darüber hinaus ist das Gerät nicht für jeden Patienten geeignet. Bei stark übergewichtigen Menschen oder Säuglingen komme das Gerät an seine Grenzen, so Mutschler weiter. Vielmehr sei die Reanimationshilfe als Ergänzung zu sehen, wie sein Kollege, Peter Haug (Geschäftsleitung Rotkreuzbereich), erläutert. Es müsse immer abgewägt werden, wann der Einsatz des Geräts sinnvoll sei.

Bis zum Ende dieses Jahres sollen die Rettungsdienst-Mitarbeiter und Notärzte geschult werden, damit die technischen Geräte ab 2019 in der Praxis zum Einsatz kommen. Wie oft das sein wird, kann heute noch niemand sagen. Aber: Die Maschine wird den Menschen nicht ersetzen können. Denn gerade den Ersthelfern kommt bei der Herzmassage unverändert eine hohe Bedeutung zu. Nur wenn sie mit ihren Händen handeln, kann beim Eintreffen des Rettungsdiensts die Maschine übernehmen. 

Von Daniel Häfele

29. Oktober 2018 15:28 Uhr. Alter: 42 Tage